Dieser Beitrag wird laufend aktualisiert, in Abhängigkeit der Neuigkeiten rund um Microsoft Bing, Bing Copilot, Bing Search oder welchen Namen auch immer die Suchmaschine und deren KI-Erweiterungen künftig bekommen.
Microsoft Bing
Im Januar hat das National Bureau of Economic Research (kurz NBER) eine interessante Studie veröffentlicht. Dieser zufolge sind ein Drittel aller User nach einer zweiwöchigen Bing-Testphase bei Microsofts Suchmaschine geblieben. Ein Indiz dafür, dass der langsam voranschreitende Suchmaschinenwechsel weg von Google erstens nicht zwingend mit Googles Qualität und zweitens eher mit der Trägheit der User zu tun hat.
Auch 2026 baut Microsoft die Suche sichtbar um: Copilot-Folgesuchen laufen inzwischen weltweit, ohne dass Nutzer die Suchergebnisseite verlassen (Multi-Turn-Search), und aktuell testet Bing einen eigenen Shorts-Tab, der die Ergebnisse nach Kurzvideos von YouTube, Instagram, TikTok und Facebook filtert. Bemerkenswert für Ihre Strategie: In einer Ein-Site-Fallstudie überlappten die KI-Ergebnisse von Bing und Google nur zu 10 bis 20 %, sogar etwas weniger als die klassischen Ergebnisse (10 bis 28 %); wer beide Welten bespielen will, muss sie getrennt betrachten.
Wer außer Bing noch auf Bing baut, lohnt einen zweiten Blick: DuckDuckGo läuft auf dem Bing-Index; Ecosia und Qwant mischen seit dem Start ihres europäischen Index am 30. Juli 2026 zunehmend eigene Ergebnisse bei und wollen damit bis Jahresende die Mehrzahl der deutschen Anfragen beantworten, den Rest liefert weiter Bing. Wirklich eigenständige Indizes haben damit nur Google, Bing und Brave (Wingmen).
Produkt- und Shopping-Ergebnisse
Microsoft bietet in den amerikanischen Copilot Antworten seit April 2025 vereinzelt und reproduzierbar wohl Produkt- und Shopping-Ergebnisse an. Entdeckt und berichtet wurde das von Sachin Patel auf x. Weiterhin bleiben laut Bing-Verantwortlichen auch strukturierte Daten für Bing wichtig (Quelle). Zuletzt testete Bing an Produktergebnissen Eigenschafts-Labels wie „great for …“ oder „lightweight“ sowie einen Block „Recommended by“ mit dem Namen eines empfehlenden Unternehmens (Search Engine Roundtable).
Copilot Search
Mit Copilot Search hat Microsoft für Bing im April 2025 eine interessante KI-Suchmaschine als Konkurrenz zur Google AIO eingeführt. Im dazugehörigen Blog-Beitrag wird die Vernetzung von KI-Suche und klassischer Bing-Suchmaschine versprochen. Erreicht werden kann Copilot Search über die „Suchen“-Funktion innerhalb der Bing-Suchnavigation, wie im folgenden Screenshot gezeigt.

Praktisch ist die Funktion „Alle Links“, die am rechten Bildschirmrand ein Overlay mit allen Link-Quellen erscheinen lässt. Darüber hinaus sind im Suchergebnis sowohl Antworten mit Quellenangaben als auch YouTube-Videos zu finden. Das folgende Beispiel als Screenshot vom April 2025 zeigt das anschaulich. Als SEO für Anwälte habe ich exemplarisch eine für Anwälte typische Suchanfrage genutzt. Interessant finde ich auch, dass die Copilot Search Ergebnisse deutlich von denen der klassischen Suchmaschine abweichen.

AI-Reporting: Bing zeigt, wer zitiert wird
Das AI Performance Dashboard der Bing Webmaster Tools zeigt erstparteilich, wie oft Inhalte als Quelle in KI-Antworten von Bing und Microsoft Copilot erscheinen; seit März 2026 inklusive der Zuordnung von Grounding-Queries zu einzelnen Seiten.
Der Bericht weist Gesamt-Zitationen, durchschnittlich zitierte Seiten und die zugrunde liegenden Grounding-Queries aus; der Ausbau vom Juni ergänzte Suchintentionen, Themen-Cluster, einen Citation Share als Share-of-Voice und den Vergleich zweier Zeiträume. Auch Microsoft Clarity ergänzt seine Nutzerdaten inzwischen um KI-Zitations-Informationen, inklusive der Frage, welche Queries gegroundet werden.
Seit Oktober 2026 testet Microsoft dort zusätzlich das Modul Topics Portfolio (Beta): Es fasst die Grounding-Anfragen, zu denen eine Website zitiert wird, zu Themen zusammen und zeigt je Thema die Nachfrage, wie viele andere Websites dort zitiert werden und wo die eigene Website noch wachsen kann (Microsoft).
Zwei Einordnungen gehören dazu: Die ausgewiesenen Grounding-Queries sind keine echten Nutzer-Suchanfragen, sondern gruppierte Repräsentationen, und die Anzeige-Schwelle scheint bei rund drei Grounding-Requests in drei Monaten zu liegen (Lily Ray). Zudem bleibt Bing im KI-Referral-Traffic ein kleiner Teil des Gesamtbilds, rund 87,4 % stammen von ChatGPT; den konzeptionellen Anspruch formuliert Bing selbst so: Die KI-Suche sei keine Neuerfindung, sondern eine Evolution der Suche, bei der sich das Grounding auf eine Antwort festlegt.